Heidelberg, 5. Februar 2021. Wir freuen uns, berichten zu können, dass unser neuestes Forschungspaper heute in der Zeitschrift Ophthalmology and Therapy veröffentlicht wurde: Quantification of the In Vitro Predisposition to Glistening Formation in One Manufacturer’s Acrylic Intraocular Lenses Made in Different Decades.
Warum untersuchen wir das?
Wir wissen, dass faltbare hydrophobe Acryl-Intraokularlinsen (IOLs) mitunter zu einer langfristigen postoperativen Materialveränderung neigen, den sogenannten Glistenings. Im Labor können wir Glistenings induzieren. Wir wollten das hydrophobe Acryl-IOL-Material eines Herstellers – Alcon, Fort Worth, TX, USA – aus verschiedenen Herstellungsjahren untersuchen, von der Einführung der AcrySof-Linse 1990 bis zum heutigen Clareon, und dabei jeweils nach Veränderungen der Neigung des Linsenmaterials zur Glistening-Bildung suchen. Vor Studienbeginn stellten wir die Hypothese auf, dass die Neigung zur Glistening-Bildung in den letzten dreißig Jahren, von den 1990er-Jahren bis heute, abgenommen hat.
Was haben wir getan?
In unserem Labor in Heidelberg haben wir Zugang zu den Archiven des verstorbenen David J Apple – allen Papierunterlagen der Explantat- und Autopsie-IOLs, die er seit der Gründung seines Labors 1980 erhielt. Doch das Archiv besteht nicht nur aus Dokumenten – oft enthält es auch explantierte Linsenpräparate. Für unsere Studie interessierten uns die explantierten AcrySof-Linsen (Alcon, Fort Worth, TX, USA). Wir wählten Linsen aus, die 1996 und 1997 an das Labor gesandt wurden. Diese wurden von Chirurgen aus Italien, Kanada und mehrheitlich aus den USA an das Labor – damals in Charleston, South Carolina – geschickt. Wir untersuchten dreiundzwanzig Explantatpräparate aus dieser historischen Quelle – dreiteilige AcrySof-IOLs (MA30BA/MA60AC).

Mehr als zwanzig Jahre später sind mehrere der Chirurgen dieser Liste noch immer in der Augenheilkunde aktiv oder erst kürzlich in den Ruhestand getreten.
Aufgenommen bei einem Besuch in Charleston: Der junge kanadische Chirurg Howard Gimbel sitzt am Mikroskop des Miyake-Apple-Tisches von Prof. Apple. (Dr. Gimbel ist bekannt für die – gemeinsam mit Thomas Neuhann aus München entwickelte – Miterfindung der Technik der kontinuierlichen kurvilinearen Kapsulorhexis (CCC).) Wir danken Dr. Gimbel und anderen Chirurgen, dass sie diese Präparate vor 23 oder 24 Jahren gesandt haben. (In den 1990er-Jahren waren Chirurgen sich der Glistenings bewusst. Wir dürfen jedoch anmerken, dass in keinem unserer explantierten 1990er-IOLs Glistenings ausdrücklich als Grund für die Explantation angegeben werden. In all unseren Fällen befand sich das Linsenimplantat nur wenige Monate im Auge oder wurde wenige Tage nach der Operation entfernt – vielleicht zu früh, als dass sich Glistenings hätten entwickeln können.)
Wir untersuchten außerdem fünf der neueren AcrySof-IOL-Modelle (MA60AC, SA60AT, TFNT00 und SN60WF), die zwischen 2014 und 2017 hergestellt wurden.
Schließlich betrachteten wir das neueste Modell des Unternehmens und unterzogen fünf Clareon-(SY60WF-)IOLs demselben beschleunigten Alterungsverfahren. Wir zählten die Zahl der Mikrovakuolen pro Quadratmillimeter (MV/mm²) im zentralen Teil jeder IOL-Optik und verglichen diese Zahl zwischen den Gruppen.
Was wir herausfanden
Die mittlere Zahl der Mikrovakuolen war in den in den 1990er-Jahren hergestellten Alcon-AcrySof-IOLs am höchsten, mit 1289 (± 738) MV/mm². Diese Zahl sank auf 650 (± 101), 192 (± 105), 175 (± 112) bzw. 47 (± 26) für MA60AC, SA60AT, TFNT00 und SN60WF, die im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hergestellt wurden.
Die niedrigste Zahl fand sich in der neuen Clareon-IOL, mit 1 (± 1) MV/mm².
Kontinuierliche Verbesserung
In den Präparaten der aus den 1990er-Jahren explantierten IOLs konnten wir eine hohe Zahl an Glistenings induzieren. Die Neigung zur Glistening-Bildung nahm nach jenem Jahrzehnt erheblich ab, und obwohl die In-vitro-Glistening-Bildung im heutigen AcrySof-Linsenmaterial gering war, erwies sich das neue Clareon-Material als das beste: im Wesentlichen glisteningsfrei.
Unsere Studie bestätigt die eigenen Angaben des Herstellers (zu verschiedenen Zeitpunkten), wonach Änderungen der Linsenverpackung und (allerdings nicht näher definierte) Verbesserungen des Produktionsprozesses die Neigung des Materials zur Glistening-Bildung verringert haben.
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Zeitschrift Ophthalmology and Therapy.
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Diesen Artikel zitieren
Wang, Q., Yildirim, T.M., Schickhardt, S.K. et al. Quantification of the In Vitro Predisposition to Glistening Formation in One Manufacturer’s Acrylic Intraocular Lenses Made in Different Decades. Ophthalmol Ther (2021). https://doi.org/10.1007/s40123-020-00329-8


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