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Empfehlungen zum IOL-Austausch.

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Veröffentlicht: Jun 11, 2026 · Aktualisiert: Jul 31, 2026 · 6 Min. Lesezeit
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Vorstellung von Leitlinien für den Intraokularlinsen-Austausch aufgrund von IOL-Materialveränderungen

Ein White Paper zur klinischen Entscheidungsfindung und zum chirurgischen Management.

Einleitung

Heidelberg, 11. Juni 2026. Die Degradation des Intraokularlinsen-(IOL-)Materials ist eine Ursache für Sehbeeinträchtigungen und zählt in der heutigen Praxis zu den primären Indikationen für einen IOL-Austausch. Materialveränderungen umfassen verschiedene Phänomene, darunter Verkalkung, Glistenings und oberflächliche Ablagerungen, jeweils mit eigenen pathophysiologischen Mechanismen und klinischen Implikationen. (1–4) Die Entscheidung für einen IOL-Austausch erfordert die sorgfältige Abwägung mehrerer funktioneller Parameter, patientenberichteter Ergebnisse und chirurgischer Risiken.

Der folgende Artikel entstammt meinen eigenen Erfahrungen im David J Apple® Center for Vision Research und soll evidenzbasierte Empfehlungen für die Bewertung und das Management von IOL-Materialveränderungen und -Ablagerungen liefern, basierend auf der aktuellen Literatur und klinischer Erfahrung.

Arten von IOL-Materialveränderungen

Verkalkung

Die Verkalkung betrifft ausschließlich hydrophile Acryl-IOLs und lässt sich in primäre (homogene) und sekundäre (lokalisierte) Typen einteilen. Die primäre Verkalkung zeigt sich als homogene Trübung im gesamten IOL-Material und tritt Monate bis Jahre nach komplikationsloser Operation in ansonsten gesunden Augen auf, wahrscheinlich in Zusammenhang mit intrinsischen Materialeigenschaften oder Herstellungsprozessen. Die sekundäre Verkalkung entsteht durch äußere Faktoren wie den Zusammenbruch der Blut-Kammerwasser-Schranke oder komplexe bzw. langwierige Operationen. Die Inzidenz variiert stark, mit höheren Raten in bestimmten Kohorten, insbesondere nach endothelialen Keratoplastik-Eingriffen.

An example of IOL calcification.

Abbildung eines Beispiels für eine IOL-Verkalkung.

Glistenings

Glistenings sind mit Flüssigkeit gefüllte Mikrovakuolen innerhalb hydrophober Acryl-IOL-Materialien, die durch Wasseransammlung in den Polymeren entstehen und Taschen bilden, die sich bei Temperaturänderungen vergrößern. Anders als die Verkalkung verursachen Glistenings selten eine signifikante Sehbeeinträchtigung oder erfordern eine Explantation. Die klinische Auswirkung ist im Allgemeinen im Vergleich zur Verkalkung als minimal zu erwarten, wenngleich schwere Fälle die optische Qualität beeinträchtigen und das intraokulare Streulicht erhöhen können.

Vorderflächen-Ablagerungen

Oberflächenablagerungen umfassen eine heterogene Gruppe von Trübungen, die sich auf der Vorderseite der IOL an der Grenzfläche IOL–Kammerwasser befinden. Sie können echte materialbedingte Phänomene darstellen (z. B. sekundäre IOL-Verkalkung) oder sekundäre Veränderungen, verursacht durch eine veränderte Kammerwasserzusammensetzung bei Augen mit chronischer Uveitis, anderen Ursachen für einen Zusammenbruch der Blut-Kammerwasser-Schranke oder intraokularen Blutungen. Im Gegensatz zu Materialveränderungen schwanken diese Ablagerungen typischerweise im Laufe der Zeit in ihrer Dichte, abhängig von der zugrundeliegenden Augenerkrankung und der antientzündlichen Behandlung. Klinisch zeigen sich vordere Ablagerungen häufig mit erhöhter Vorwärtsstreuung des Lichts und Blendsymptomen, die im Verhältnis zur Verminderung des Hochkontrast-Visus unverhältnismäßig sein können, ähnlich wie bei anderen IOL-Materialveränderungen. Die Spaltlampenuntersuchung in Retroillumination und diffuser Beleuchtung, mitunter ergänzt durch Vorderabschnitts-OCT oder Scheimpflug-Bildgebung, erlaubt die Charakterisierung von Lage, Ausdehnung und Dicke der Ablagerungen und hilft, sie von einer Kapseltrübung oder intralentikulären Veränderungen zu unterscheiden. In vielen Fällen können die Kontrolle der Entzündung und, wo angebracht, eine YAG-Laser-Politur oder ein chirurgisches Abschaben die Symptome verbessern, ohne dass ein IOL-Austausch nötig ist, insbesondere wenn die Ablagerungen oberflächlich sind. Ein IOL-Austausch aufgrund von Vorderflächen-Ablagerungen sollte daher Patienten vorbehalten sein, bei denen ein klarer zeitlicher Zusammenhang zwischen Ablagerungsbildung und dem Auftreten von Sehbeschwerden besteht, eine morphologisch relevante Bedeckung des Pupillenbereichs vorliegt und eine objektive Dokumentation der funktionellen Beeinträchtigung gegeben ist.

Diagnostische Bewertung und Entscheidungskriterien

Funktionelle Beurteilung

Das traditionelle Vertrauen allein auf den korrigierten Fernvisus (CDVA) ist für die Entscheidungsfindung bei IOL-Materialveränderungen unzureichend. Patienten mit IOL-Materialveränderungen können trotz signifikanter morphologischer Trübung einen ausgezeichneten Visus (20/20 Snellen) behalten und umgekehrt. Über die CDVA-Messung hinaus sollte eine umfassende Beurteilung Folgendes umfassen:

  • Morphologische Analyse der Trübung (z. B. mittels optischer Kohärenztomografie)
  • Beurteilung des intraokularen Streulichts
  • Kontrastempfindlichkeit (mit und ohne Blendung)

Die Streulichtmessung kann ein objektives Kriterium für die chirurgische Entscheidungsfindung liefern. Die Evidenz zeigt, dass ein Streulichtwert über 1,56 log(s) als klinisch bedeutsamer Schwellenwert dienen kann, der den Break-even-Punkt darstellt, an dem Patienten eine 50-%-Chance auf eine postoperative funktionelle Verbesserung haben. (1) Werte über 1,47–1,5 log(s) weisen auf eine ernste Streulichtbehinderung hin und können Patienten fahruntauglich machen. Nach dem IOL-Austausch nimmt das Streulicht typischerweise ab, was eine klinisch signifikante Verbesserung darstellt.

Die Prüfung der Kontrastempfindlichkeit (CS) kann erhebliche Defizite bei allen Ortsfrequenzen aufdecken, besonders ausgeprägt unter Blendbedingungen. Diese Verminderung korreliert mit erhöhten Streulichtwerten und kann die subjektiven Beschwerden der Patienten besser erklären als Visusmessungen allein. Nach dem Austausch kehrt die CS typischerweise auf normale pseudophake Werte zurück.

Patientenberichtete Ergebnisse

Zu den dokumentationsbedürftigen subjektiven Symptomen gehören trübes oder verschwommenes Sehen, verminderte Sehqualität, erhöhte Blendempfindlichkeit, unscharfes Sehen und reduzierte Kontrastwahrnehmung. Fragebögen sind nützliche Werkzeuge zur Beurteilung der Auswirkung auf die Lebensqualität.

Empfehlungen für den IOL-Austausch

Indikationen für die Operation

Ein IOL-Austausch sollte erwogen werden, wenn:

  1. Eine morphologisch plausible Sehbeeinträchtigung durch die IOL-Materialveränderung vorliegt.
  2. Der Streulichtwert erhöht ist, unabhängig vom Visus.
  3. Eine deutliche Verminderung der Kontrastempfindlichkeit vorliegt, besonders unter Blendbedingungen.
  4. Subjektive, die Lebensqualität beeinträchtigende Symptome höchstwahrscheinlich auf die IOL-Materialveränderung zurückzuführen sind.

Zu den relativen Kontraindikationen zählen ein begrenztes Sehpotenzial, ältere Patienten mit begrenzter Operationstauglichkeit sowie minimale Symptome/funktionelle Beeinträchtigung.

Operationstechnik und Überlegungen

Die Integrität des Kapselsacks sollte nach Möglichkeit erhalten bleiben. Der Eingriff kann das Anlegen eines superioren sklerokornealen Tunnels mit zwei Parazentesen, den Schutz des Hornhautendothels mit einem dispersiven ophthalmochirurgischen Viskoelastikum (OVD), die Mobilisierung der getrübten IOL in die Vorderkammer und die Explantation durch den superioren Tunnel umfassen. Die Wahl der Sekundär-IOL hängt von der verbleibenden Kapselunterstützung ab: Platzierung im Kapselsack bei ausreichender Unterstützung, Sulkusfixation bei ausreichender vorderer Kapselunterstützung sowie eine retropupilläre Iris-Claw- oder skleral fixierte IOL bei unzureichender Kapselunterstützung. Häufig ist eine vordere Vitrektomie erforderlich.

Zu erwartende Ergebnisse

Patienten, die sich einem IOL-Austausch wegen Materialveränderungen unterziehen, können erwarten:

  • Verbesserung des Visus (im Mittel um eine ETDRS-Zeile)
  • Erhebliche Streulichtreduktion
  • Wiederherstellung einer normalen pseudophaken Kontrastempfindlichkeit
  • Verminderung von Halo- und Blendphänomenen
  • Verbesserung der Lebensqualitätsparameter

Häufige postoperative Komplikationen sind (vorübergehende) Hypotonie, leichte Vorderkammerblutung, kleine stromale Irisdefekte, (vorübergehendes) Hornhautödem und (vorübergehende) IOD-Erhöhung. Schwerwiegende Komplikationen wie ein zystoides Makulaödem oder eine Netzhautablösung sind selten.

Rahmen für die Patientenberatung

Bei der Beratung von Patienten zum IOL-Austausch wegen Materialveränderungen sollten Kliniker betonen, dass:

  • Subjektive Symptome oft besser mit dem Streulicht korrelieren als mit dem Visus
  • Die Erfolgsraten des IOL-Austauschs bei erfahrenen Chirurgen hoch sind
  • Das Alter allein die Eignung nicht bestimmen sollte, wenn sich die funktionelle Beeinträchtigung auf die IOL-Materialveränderung zurückführen lässt

Je nach Muster, Lokalisation und Schweregrad der Trübung kann der Verzicht auf eine Operation und das Akzeptieren des Zustands eine vernünftige Entscheidung sein.

Schlussfolgerung

Das Management von IOL-Materialveränderungen erfordert eine umfassende funktionelle Beurteilung, die über die Standard-Visusmessung hinausgeht. Die Beurteilung des intraokularen Streulichts liefert ein objektives Kriterium für die chirurgische Entscheidungsfindung. Kontrastempfindlichkeitsprüfung und Lebensqualitätsfragebögen ergänzen die klinische Beurteilung. Der IOL-Austausch führt in der Regel zu guten funktionellen Ergebnissen mit akzeptablen Komplikationsraten und verbessert damit die Sehqualität und die Patientenzufriedenheit.

Je nach Muster, Lokalisation und Schweregrad der Trübung kann der Verzicht auf eine Operation und das Akzeptieren des Zustands eine vernünftige Entscheidung sein.

Literatur

  1. Yildirim TM, Łabuz G, Henningsen N, Son HS, Augustin VA, Britz L, Chychko L, Khoramnia R, Auffarth GU. Establishing an objective decision criterion for intraocular lens exchange due to homogeneous calcification: a prospective clinical analysis. Eye Vis (Lond). 2024 Dec 2;11(1):46.
  2. Märker DA, Radeck V, Barth T, Helbig H, Scherer NCD. Long-Term Outcome and Complications of IOL-Exchange. Clin Ophthalmol. 2023 Oct 31;17:3243-3248.
  3. Łabuz G, Knebel D, Auffarth GU, Fang H, van den Berg TJ, Yildirim TM, Son HS, Khoramnia R. Glistening Formation and Light Scattering in Six Hydrophobic-Acrylic Intraocular Lenses. Am J Ophthalmol. 2018 Dec;196:112-120.
  4. Auffarth GU, Brézin A, Lignereux F, Khoramnia R, Yildirim TM, Kohnen T, Bianco J. Randomized multicenter trial to assess posterior capsule opacification and glistenings in two hydrophobic acrylic intraocular lenses. Sci Rep. 2023 Feb 17;13(1):2822.
Diesen Artikel zitieren
Timur Yildirim. (2026, June 11). Empfehlungen zum IOL-Austausch.. David J Apple Laboratory. https://djapplelab.com/recommendations-on-iol-exchange/
Timur Yildirim. "Empfehlungen zum IOL-Austausch.." David J Apple Laboratory, 11 Jun. 2026, https://djapplelab.com/recommendations-on-iol-exchange/.
Timur Yildirim. "Empfehlungen zum IOL-Austausch.." David J Apple Laboratory. June 11, 2026. https://djapplelab.com/recommendations-on-iol-exchange/.
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Geschrieben von Timur Yildirim Folgen
PD Dr. med. Timur Yildirim, MD, FEBO, ist Augenarzt in der Sektion für Katarakt- und refraktive Chirurgie an der Augenklinik der Universität Heidelberg und in der augenheilkundlichen Laborforschung am David J Apple®️ Center for Vision Research tätig.

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