Beitrag von Dr. Hyeck-Soo Son. Heidelberg, 01. August 2020. Wir freuen uns sehr über unser Forschungspaper im Journal of Cataract and Refractive Surgery – die Zeitschrift zeigt sogar Bilder aus unserem Bericht auf dem Titelblatt: In der oberen Reihe sieht man das Auge der Patientin vor und nach der Operation mit künstlicher Iris. Die unteren Fotos auf dem Titel zeigen die hohe ästhetische Übereinstimmung des operierten (linken) Auges mit dem nicht operierten rechten Auge.
In vitro optical quality assessment of a monofocal IOL sutured to an artificial iris. Christian Mayer, MD, Hyeck-Soo Son, MD, Grzegorz Łabuz, Ph.D., Timur M. Yildirim, MD, Gerd U. Auffarth, MD, Ph.D., Ramin Khoramnia, MD J Cataract Refract Surg 2020; 46:1184–1188
Was war die Forschungsfrage?
Wir wissen bereits, dass wir die Implantation einer monofokalen IOL und einer künstlichen Iris sicher kombinieren können, um Patienten mit Aphakie und Aniridie zu behandeln. Wir wollten jedoch beurteilen, ob die kombinierte Implantation die optische Leistung der IOL beeinflusst.
Was haben wir getan?
Wir führten am David J. Apple International Laboratory for Ocular Pathology eine In-vitro-Laborstudie durch und maßen mit dem Gerät OptiSpheric IOL Pro II die Modulationsübertragungsfunktion (MTF) der IOL bei 3,0 mm Pupillengröße und einer Ortsfrequenz von 100 lp/mm. Wir verwendeten drei ASPIRA®-aAY-IOLs mit unterschiedlichen Grundbrechkräften: 10 Dioptrien (D) (IOL A), 20 D (IOL B) und 30 D (IOL C) – gemessen vor und nach dem Annähen der IOL an eine künstliche Iris (AI). Außerdem betrachteten wir das Ausmaß der IOL-Dezentrierung um das Zentrum der AI.
Die künstliche Iris
Die von uns verwendete künstliche Iris (AI) war die ArtificialIris®, hergestellt von HumanOptics, Erlangen, Deutschland. Die CE-Kennzeichnung (Conformité Européenne) wurde der ArtificialIris 2011 erteilt, und 2018 wurde sie von der US-amerikanischen Food and Drug Administration zugelassen.
Sie ist für die Implantation im hinteren Segment aphaker und pseudophaker Augen konzipiert. Die AI kann allein oder in Kombination mit einer IOL implantiert werden. Sie hat einen Gesamtdurchmesser von 12,8 mm mit einer festen Pupillengröße von 3,35 mm. Ihre Dicke nimmt vom Pupillenrand (0,4 mm) zur Peripherie (0,25 mm) hin ab. Die AI besteht aus einem biokompatiblen Silikonmaterial mit einer schwarzen, optisch undurchlässigen Rückseite und einer farbigen Vorderseite. Diese Vorderseite ist eine handgemalte Reproduktion der Iris des Patienten, erstellt anhand eines Fotos des verbliebenen Irisgewebes (RI) und der Iris des Partnerauges.
Von beiden Augen muss ein hochauflösendes Foto angefertigt werden, das dann an den Hersteller gesandt wird, damit das Implantat individuell handbemalt wird. Durch das Einbringen farbiger Silikonpigmente in verschiedenen Schichten erzeugt der Hersteller eine dreidimensionale Kunststoffoberfläche, die der natürlichen Irisoberfläche mit ihren Krypten ähnelt und ein natürliches Aussehen mit minimierten Lichtreflexen bietet.
Die Bilder A bis F zeigen den Prozess des Annähens der AI an die IOL. Die IOL wird an der Rückseite der künstlichen Iris angenäht.
Was haben wir herausgefunden?
Unten die drei Bilder der Dezentrierung jeder IOL. Die Dezentrierungswerte in vertikaler Richtung betrugen 0,20 mm, 0,00 mm und 0,02 mm für die IOLs A, B und C.
In horizontaler Richtung betrugen die Dezentrierungswerte 0,42 mm, 0,10 mm und 0,03 mm für die IOLs A, B und C.
Die mittleren MTF-Werte vor dem Annähen betrugen 0,57, 0,65 und 0,63 für die IOLs A, B und C. Nach dem Annähen an die AI lagen die mittleren MTF-Werte bei 0,52, 0,54 und 0,55 für die IOLs A, B und C. 
Die MTF nahm bei allen 3 IOLs nach dem Annähen an die AI leicht ab. Die kleinen Unterschiede dürften jedoch klinisch irrelevant sein. Diese Laborbewertung zeigte, dass sich das Annähen der IOL an die AI zuverlässig und reproduzierbar durchführen lässt, ohne die optische Qualität zu verschlechtern.
Was bekannt war
Die kombinierte Implantation einer monofokalen IOL und einer künstlichen Iris ist zu einer sicheren Routinebehandlung für Patienten mit Aphakie und Aniridie geworden. Wir wussten jedoch nicht, ob sich die optische Qualität der IOL verschlechtert, wenn sie an die künstliche Iris genäht wird.
Was unser Paper ergänzt
Die optische Leistung der monofokalen IOLs verschlechterte sich nach dem Annähen an die ArtificialIris leicht. Angesichts der insgesamt hervorragenden optischen Qualität monofokaler IOLs gelten diese Veränderungen jedoch als klinisch nicht relevant.


Anneke Worst (1928-2020)