Heidelberg, 11. Oktober 2020
Ein mehrfach preisgekröntes Video!
Dies ist die vierte Episode einer Serie über die Arbeit im David J Apple Center for Vision Research: Diesmal widmen wir uns der DMEK mit dem innovativen künstlichen EndoArt®-Implantat, das anstelle von menschlichem Spendergewebe verwendet wird.
Dieses Video gewann Anfang des Jahres den Ersten Preis bei der ASCRS 2020, wurde beim ESCRS-2020-Kongress mit dem Ersten Preis in der Kategorie Innovation ausgezeichnet und gewann gestern (Samstag, 10. Oktober 2020) einen Videopreis bei der Tagung der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) 2020.
Innovation
Das EndoArt® von EyeYon Medical ist ein sofort verfügbares künstliches Implantat für die partielle Keratoplastik. EyeYon Medical wurde von zwei führenden Kornea-Spezialisten – Ofer Daphna und Arie Markovich – und dem Medizinprodukte-Unternehmer Nahum Ferera gegründet. Gemeinsam entwickelten sie das EndoArt®. Das Implantat ist etwa 50 Mikrometer dünn. Seine kuppelförmige Krümmung entspricht der hinteren Krümmung der Hornhaut. Es besteht aus einem optisch klaren, faltbaren und biokompatiblen Copolymer, das vom britischen Unternehmen Contamac hergestellt wird. Das Material ist ausreichend robust, um eine reibungslose und kontrollierte Einführung sowie eine einfache intraokulare Manipulation zu ermöglichen – ohne das Risiko, das Implantat zu beschädigen (bei Spendergewebe stets ein potenzielles Problem).
Die Heidelberger Erfahrung
Prof. Gerd Auffarth kommentierte:
„Jahrzehntelang suchten wir nach einer künstlichen Vollhornhaut. Da 60 bis 70 Prozent der heutigen Hornhauttransplantationen DMEK sind, brauchen wir eigentlich eine künstliche DMEK-Lamelle. Ich habe nun über ein Jahr Erfahrung mit der künstlichen DMEK-Lamelle EndoArt®. Das Implantat wirkt, indem es den Einstrom von Kammerwasser in die Hornhaut blockiert und so das Hornhautödem verringert. Bislang haben zwei Patienten das Implantat erhalten, und beiden geht es bisher sehr gut.”
Operationstechnik
Das Implantat ersetzt das menschliche Gewebe, das in der Endothelkeratoplastik (DSAEK und DMEK) verwendet wird. Es wird gefaltet und über eine selbstdichtende klare Hornhautinzision, typischerweise etwa 2,2 mm, in die Vorderkammer (VK) eingeführt. Das EndoArt® entfaltet sich in der VK, und der Chirurg befestigt es mit einer injizierten Luftblasen-Tamponade an der hinteren Hornhautoberfläche. In dieser Hinsicht ähnelt das Verfahren einer DSAEK- oder DMEK-Prozedur.
Die Zukunft
Obwohl weltweit jährlich über 200.000 Hornhauttransplantationen durchgeführt werden, gibt es eine globale Warteliste für Spendergewebe. Der Hersteller schätzt, dass fast 13 Millionen Menschen auf ein Hornhauttransplantat warten und oft jahrelang auf die sehkraftwiederherstellende Operation warten müssen. Es wird erwartet, dass Chirurgen, die eine Endothelkeratoplastik (EK) durchgeführt haben, das EndoArt® ohne zusätzliche Schulung implantieren können. Kataraktchirurgen, die mit der EK nicht vertraut sind, sollten hingegen einige Schulungssitzungen benötigen, um die Technik zu beherrschen.
Künftig besteht das Potenzial, dass das EndoArt® die Warteliste für Spenderhornhäute beseitigt und wir die mit der Gewebetransplantation verbundenen Risiken verringern können.


4. Heidelberger Helmholtztage, 27. & 28. November